Papa sein und der Nachwuchs

Ein Buch („Vater werden“ von Karin Jäckel) was ich mir gerade zu Gemüte führe, enthält einen ganz tollen Absatz, den ich zitierenswert finde, weil er so ganz präzise die Situation und das Thema von allzuvielen Kindergeschichten umschreibt:

Die Lebensräume der Kindheit unserer Eltern und Großeltern waren die Straßen vor dem Haus, der nahe Wald, die Wiesen. Abenteuer wurden beim Baumhausbauen, beim Draußenherumtollen bei jedem Wetter, beim Mithelfen bei der elterlichen Arbeit erlebt. Dazu bedurfte es keiner großen Mittel, sondern meist nur der Phantasie, aus allem, was sich so fand, ein Spielzeug zu ersinnen.

Heutige Lebensräume der Kindheit sind in der Regel viel zu kleine Kinderzimmer und virtuelle Welten im Universum des Internets. In der Stadt gibt es keinen Wald, und wenn doch, so nicht zum Baumhausbauen. Meist darf nicht einmal die Grünanlage vor dem Haus betreten werden. Auf Spielplätzen tummeln sich die Hunde, deren Besitzer nicht mit ihnen Gassi gehen, und die Katzen, die anderweitig keinen weichen Untergrund für ihre Notdurft finden. Für die regelmäßige Erneuerung der Spielplatzgeräte fehlt den Kommunen meistens das Geld. Die Straße gehört den Autofahrern, die Gehwege den Fußgängern. In Stadtparks wollen immer mehr ältere und alte Menschen ihre Ruhe und die beschauliche Idylle englischen Rasens, auf dem allenfalls Pfauen und Tauben flanieren. In Mietshäusern muss man leise sein, weil die Wände zu dünn und zu hellhörig sind.

Übrig bleiben die Abenteuer der Gameboys und Nintendos, der Fernsehbilder und der Videofilme, der PlayStations und der Computerspiele, der Tamagotchis und anderer Ersatzbefriedigungen für nicht gehabte (Eltern-) Zeit und Zuwendung und Zärtlichkeit der Eltern und anderer Bezugspersonen. In dieser irrealen Welt, in der es überwiegend um Kampfspiele aus Ritterzeiten, Piratenschlachten, Außerirdische, Handelssimulationen oder Weltkriegs-Spiele geht, kennen sich die heutigen Kinder aus. Dort sind nicht mehr die Erwachsenen, sondern sie selbst die Größten, sind die der Charakter, das ICH des Spiels, und tauchen in Anderwelten, aus denen sie oft nicht mehr herausfinden.

Zerbricht diese illusionäre (fragile) Welt, weil die tatsächlichen Fähigkeiten des Kindes im wahren Leben und die Qualitäten seiner echten Bezugspersonen den erträumten nicht entsprechen, gerät die Welt des Kindes aus den Fugen…

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